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Berichte

Angst vor der Rückkehr

Seminare des Lutherischen Weltbund beim Weltsozialforum in Nairobi befassten sich mit der Flüchtlingsproblematik

(von Fredrick Nzwili, Lutherische Welt-Information (LWI))

Nairobi - Zwei Jahre nach der Unterzeichnung des Friedensabkommens zwischen der Regierung des Sudan und der Sudanesischen Volksbefreiungsbewegung/-armee im Südsudan schwindet die Hoffnung auf eine Rückführung der sudanesischen Flüchtlinge täglich mehr. Im Südsudan herrschen für die Rückkehr ungünstige Bedingungen und die Flüchtlingslager in den Nachbarländern bieten langfristig keine Lösung.

Die LiberianerInnen, die vor dem langjährigen Bürgerkrieg in ihrer Heimat geflohen sind, leben bis heute in Guinea, Sierra Leone, Nigeria und ein kleiner Teil von ihnen auch in Côte d’Ivoire, obwohl in ihrer Heimat mittlerweile Frieden herrscht. Bei Besuchen der Flüchtlinge in ihren Gastländern bemühen sich VertreterInnen der liberianischen Kirchen, sie zur Rückkehr zu bewegen, aber bisher ist nur eine kleine Anzahl der Aufforderung gefolgt.

Vor diesem Hintergrund wurde die Frage, warum Flüchtlinge auch nach dem Ende von Bürgerkriegen und Konflikten nicht in ihre Heimat zurückkehren, zu einem zentralen Thema beim Siebenten Weltsozialforum (WSF), das vom 20. bis 25. Januar in Nairobi (Kenia) stattfand.

"Allgemein herrscht Angst vor dem Ungewissen, aber wir drängen darauf, dass sie ‚gehen und sehen, zurückkommen und berichten", erklärte Mark Leveri, Direktor des Tanganyika Christian Refugee Service (Christlicher Flüchtlingsdienst von Tanganjika - TCRS), eines mit der Abteilung für Weltdienst (AWD) des Lutherischen Weltbundes (LWB) assoziierten Programms, bei einem Seminar des WSF, das sich mit den "Problemen bei der Rückkehr aus der Perspektive der Menschenrechte" einschliesslich der Problematik des Schutzes der Frauenrechte befasste.

Das Seminar war gemeinsam vom LWB, der Gruppe „Rechte und Entwicklung“ von Aprodev, der Schwedische Kirche und Christian Aid organisiert worden.

Wirtschaftswachstum ist unmöglich

James Manyiel, ein sudanesischer Flüchtling im unter LWB-Verwaltung stehenden Flüchtlingslager Kakuma in Nordkenia, betonte, es sei schwierig, in die Heimat zurückzukehren, wenn sich in manchen Gebieten des Landes die Konflikte fortsetzten. „Kehren die Flüchtlinge zurück, sind sie der Bedrohung durch verschiedene Milizen ausgesetzt. Diese [bewaffneten Gruppen] vergewaltigen und verschleppen Frauen. In manchen Fällen zwingen sie die Frauen und Mädchen zur Heirat, um die Ermordung von Verwandten zu rächen“, berichtete Manyiel den Teilnehmenden am Workshop zum Thema „Menschenrechte, Mobilität und mangelndes bürgerschaftliches Engagement“, den der LWB und das Mazingira-Institut, eine kenianische Nichtregierungsorganisation, gemeinsam veranstalteten.

Charles Otieno, im Auftrag des LWB/AWD-Länderprogramms in Kenia/Sudan zuständig für den Bereich Dienste für das Gemeinwesen im Lager Kakuma, wies darauf hin, dass die forcierte Rückführung sich negativ auf das Leben der Flüchtlinge auswirke: „Sie ist als schrittweiser Prozess gedacht, aber das ist in der Realität nicht so.“ Otieno betonte, die Menschenrechte der Flüchtlinge stünden täglich zur Disposition. „Sie haben kaum Freiheit. Sie sind mit Unsicherheit konfrontiert. Und doch brauchen sie Wachstum in allen Lebensbereichen, aber das ist unter den Bedingungen des Lagerlebens schwierig. Auch Wirtschaftswachstum ist unmöglich.“

Die Rückführung ist teuer

Im Fall Liberia finde eine allmähliche Rückwanderung statt, aber es blieben Probleme, wie etwa die hohen Kosten, die die Rückführung der Menschen in ihre Heimat verursache, so Bischof Sumoward E. Harris von der Lutherischen Kirche in Liberia. „Wir sind in die [angrenzenden] Länder gereist und haben die Flüchtlinge ermutigt, nach Hause zu kommen. Eines der Probleme, vor denen wir [stehen], ist die Frage, wie sich eine Rückführung gestalten kann“. Wenn ein Mensch zehn Jahre lang im Ausland gelebt habe, werde er nicht bereit sein zurückzukehren, ohne seine ganze Habe mitzunehmen, da zu Hause alles in Trümmern liege, stellte Harris fest.

Der liberianische lutherische Kirchenleiter legte weiterhin dar, weiblichen Flüchtlingen, deren Ehemänner bei Angriffen von Milizen ums Leben gekommen seien, falle es besonders schwer, zurückzukehren. „Viele sind allein erziehend, das Land ist zerstört. Es gibt kaum Unternehmen, obwohl [allmählich] einige entstehen.“

 

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Aus www.weltsozialforum.org, gedruckt am: Di, 04.10.2022 ©
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