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Berichte

Protest gegen eine schicke Flasche

Kampagne für Wasserrechte beim Weltsozialforum

(von Fredrick Nzwili, Lutherische Welt-Information (LWI))

Nairobi - Er war in das Moi International Sports Center (Kasarani) gekommen, um „so eine grosse Veranstaltung“ mitzuerleben, wo Tausende miteinander die Möglichkeit einer „anderen Welt“ diskutierten. Bald stellte er fest, dass alle dort Flaschenwasser dabei hatten – anders als er, der seine Flasche am Wasserhahn aufgefüllt hatte.

Für sich betrachtet ist die Geschichte von Njoroge kaum der Erwähnung wert, aber die Wut, mit der beim WSF, das vom 20. bis 25. Januar 2007 stattfand, für Wasserrechte demonstriert wurde, ist symptomatisch für einen neuen Konflikt, der, so die Einschätzung mancher TeilnehmerInnen, viele Regierungen unvorbereitet treffen könnte.

Von Ghana bis Indien und fast überall im Süden der Welt decken sich die Berichte: Multinationale Konzerne bemächtigen sich, mit Unterstützung der Behörden vor Ort, der Wasserressourcen, des Landes und der Wälder der einheimischen Bevölkerung, füllen das Wasser ab und verkaufen es an die armen Gemeinwesen, denen es ursprünglich gehörte.

Recht auf Land und Ressourcen

Im Rahmen eines Workshops betonte Kishore Kumar Nag, Mitglied der Delegation des Lutherischen Weltbundes (LWB) beim WSF 2007, die Wasserkrise in Indien verschärfe sich aufgrund der Privatisierungspolitik der Regierung. Angesichts dieser bedrohlichen Entwicklung versuchten die lutherischen Kirchen in Indien gemeinsam, „zu verstehen, wer an der Kommerzialisierung des Wassers beteiligt ist und welche Hintergründe diese Entwicklung und insbesondere die Privatisierung von Land hat“, so Nag, Beigeordneter Direktor der Abteilung für soziale Fragen der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche in Indien (VELKI) mit Hauptsitz in Chennai (Indien).

Der Delegierte der VELKI legte dar, Unternehmen wollten sich im Rahmen dieser „heimlichen Privatisierungspolitik“ grosse Flächen aneignen, insbesondere solche Flächen, die armen oder ausgegrenzten Bevölkerungsgruppen gehörten. Die Kirchen ihrerseits argumentierten, das Land sei die Lebensgrundlage der Menschen. Werde ihnen diese entzogen, stehe letztlich ihr Überleben zur Disposition, betonte Nag. „Daher schliessen sich zahlreiche Kirchen, ökumenische Organisationen und Gruppen von Ehrenamtlichen zusammen, um diese Tendenzen zu bekämpfen und sich für das Recht der Menschen auf ihre Wasserressourcen und das Eigentum an ihrem Land einzusetzen.“

Beim WSF in Nairobi entstand angesichts dieser Problematik das Afrikanische Wassernetzwerk, das gegen die Privatisierung von Wasser aktiv werden soll. Das Netzwerk wurde bei einem Workshop am 24. Januar ins Leben gerufen, an dem Teilnehmende aus 40 Ländern mitwirkten. Dort wurde betont, dass der weltweite Trend zur Privatisierung des Wassers negative Folgen für Millionen AfrikanerInnen haben werde, die zu den 1,1 Milliarden Menschen weltweit zählten, die keinen Zugang zu Wasser hätten. Weiteren 2,6 Milliarden stünde nur eingeschränkt Wasser zur Verfügung.

„Dieses Netzwerk ist eine Warnung an Wasserpiraten, Regierungen und internationale Finanzinstitutionen, dass Afrika sich gegen die Privatisierung zur Wehr setzen wird“, so Hassan Adam, ghanaischer Aktivist, der das Netzwerk organisierte. Aus seinem westafrikanischen Land wird berichtet, vier Flüsse seien durch den Bergbau bereits zerstört worden.

Der Zugang zu Wasser bleibt in den meisten armen Ländern weltweit weiterhin unsicher und stark gefährdet. Angesichts dieser Situation betonen Organisationen, die sich gegen die Armut engagieren, dass dieser Zugang zu den Wasserressourcen Vorbedingung für die Überwindung und Linderung der Armut sei.

Dringliches Problem

Im Rückblick auf die Beteiligung des LWB am diesjährigen WSF erklärte Peter Prove, Assistent des LWB-Generalsekretärs im Bereich Internationale Angelegenheiten und Menschenrechte sowie Leiter der LWB-Delegation: „Beim Weltsozialforum hatten Vertreter und Vertreterinnen der LWB-Mitgliedskirchen und -Länderprogramme Gelegenheit, im Blick auf die drängenden Probleme, mit denen sie in ihrem jeweiligen Kontext konfrontiert sind, Informationen zu sammeln und Netzwerke mit zivilgesellschaftlichen Partnerinnen und Partnern aufzubauen. An immer mehr Orten weltweit stellt der Zugang zu Wasser eines der dringlichsten Probleme dar.“

Erstmals fand dieses Jahr das WSF in Afrika statt. Etwa 70.000 registrierte Delegierte nahmen an dem jährlichen Forum zivilgesellschaftlicher Bewegungen und AktivistInnen teil, die unter dem Motto „Eine andere Welt ist möglich“ gegen die negativen Folgen der Globalisierung und ihre Auswirkungen auf die Armen weltweit die Stimme erheben.

 

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