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Berichte

Weltsozialforum 2026: Eine andere Welt ist möglich

Als einer der wichtigsten Räume für zivilgesellschaftlichen Austausch und gesellschaftlichen Wandel bringt das Weltsozialforum vom 4. bis 8. August rund 50.000 Menschen aus aller Welt in Benin zusammen. Selina Wiredu, Misereor-Referentin für afrikapolitische Lobbyarbeit, wird vor Ort sein und über Debatten, Initiativen und Impulse für eine gerechtere Zukunft berichten.

(von Selina Wiredu und Kim Krüger, misereor

Während sich jedes Jahr im Januar im schweizerischen Davos Wirtschaftsführer*innen und Regierungsvertreter*innen unter großer medialer Aufmerksamkeit zum Weltwirtschaftsforum treffen, bleibt das zivilgesellschaftliche Gegenforum weitgehend unbeachtet: das Weltsozialforum (WSF). Seit mehr als 25 Jahren bringt es soziale Bewegungen, Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen sowie indigene Gruppen zusammen. Gemeinsam setzen sie sich für Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit, Klimaschutz, Demokratie und die Rechte benachteiligter Menschen ein.

Das WSF ist kein Gipfeltreffen. Es verabschiedet keine Resolutionen und trifft keine verbindlichen Entscheidungen. Seine Stärke liegt darin, einen unabhängigen Raum für zivilgesellschaftliche Akteure zu schaffen – jenseits von Regierungen und Wirtschaftsinteressen. Dort verteidigen sie demokratische Werte, stärken Solidarität und entwickeln gemeinsam Antworten auf globale Herausforderungen. Unter dem Motto „Another World Is Possible“ („Eine andere Welt ist möglich“) verbindet das WSF lokale Kämpfe mit globalen Debatten. Es macht sichtbar, wie eng Themen wie Landkonflikte, Hunger, Klimakrise, soziale Ungleichheit, Frieden und Menschenrechte miteinander verknüpft sind.

Dieses Jahr findet das WSF vom 4. bis 8. August 2026 in Cotonou, Benin, statt. Auch Misereor wird gemeinsam mit Partnerorganisationen aus Afrika vor Ort sein.  

Zivilgesellschaft unter Druck

Laut dem CIVICUS Monitor, der weltweit den Zustand der Zivilgesellschaft und bürgerlicher Freiheiten erfasst, leben heute 73 Prozent der Weltbevölkerung in autoritären Staaten oder Diktaturen. Dort sind grundlegende Rechte wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit sowie zivilgesellschaftliches Engagement massiv eingeschränkt. Auch viele Partnerorganisationen von Misereor erleben diese Entwicklung täglich: Zivilgesellschaftliches Engagement wird delegitimiert, Aktivist*innen, Menschenrechtsverteidiger*innen und Journalist*innen werden überwacht, eingeschüchtert oder kriminalisiert.

Benin 2026: Echter Wandel kommt selten von oben 

Dass das Weltsozialforum 2026 in Benin stattfindet, ist kein Zufall. Zentrale Herausforderungen, die unser Leben weltweit prägen – Klimakrise, Ernährungsunsicherheit, soziale Ungleichheit, politische Polarisierung oder der Druck auf die Zivilgesellschaft – verlangen nach globalem Austausch und gemeinsamen Lösungen. Gleichzeitig ist der afrikanische Kontinent ein Ort großer gesellschaftlicher Dynamik, politischer Aushandlungsprozesse und zivilgesellschaftlicher Innovation. Gerade Westafrika steht derzeit exemplarisch für viele Debatten über die Zukunft von Demokratie, sozialer Gerechtigkeit, regionaler Zusammenarbeit und nachhaltiger Entwicklung, die weit über die Region hinaus wichtige Impulse geben können. Vor diesem Hintergrund bietet Benin einen besonders spannenden Ort für das Weltsozialforum und den Austausch über Wege in eine gerechtere und nachhaltigere Zukunft. 

Erfahrungen aus unserer internationalen Zusammenarbeit zeigen, dass komplexe Herausforderungen wie Armut, Klimawandel, soziale Ungleichheit und Konflikte nur nachhaltig überwunden werden können, wenn alle ihre Interessen einbringen, an Entscheidungen mitwirken und gesellschaftliche Verhältnisse gemeinsam kritisch reflektieren können. Wo diese Rechte schrumpfen, geraten demokratische und zivilgesellschaftliche Freiräume weltweit unter Druck. Und damit schwindet häufig auch die Vorstellungskraft dafür, dass Veränderungen möglich sind.  

Das Weltsozialforum verkörpert – mehr denn je – Hoffnung und Handlungsfähigkeit, indem es zeigt, dass Engagement, globale Solidarität und internationale Zusammenarbeit für eine andere, bessere Welt möglich sind.  

 

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